Das Lächeln von Luang Pu Thuat

"Die Autobahn rund um Ayutthaya ist längst trocken gelegt. Der Verkehr fließt seit Wochen wieder in beide Richtungen, doch rund 80 km von Bangkok entfernt sind die Wassermassen an einigen Stellen des Straßenrandes noch nicht komplett abgeflossen. Die Sonne spiegelt sich blitzend auf der Oberfläche und reflektiert das strahlende Mittagslicht, während wir mit dem Wagen über die Autobahn durch die Provinz fahren. Vorbei an den legendären Tempelruinen von Ayutthaya, kleinen Orten und den typischen Thai-Resorts, in denen jetzt auch wieder die Touristen einchecken.

Es wird wohl noch einige Tage oder Wochen dauern, bis auch die allerletzten Wasserreste endgültig abgeflossen sind. Die Aufräumarbeiten sind an vielen Stellen längst in Gang und teilweise schon abgeschlossen. Was zurück bliebt, ist nicht nur jede Menge Matsch, sondern auch die Erinnerung an ein bewegtes Jahr in Thailand und eine Flut, mit der so wohl niemand gerechnet hätte.

 

 Die Spuren des Wassers werden noch lange an das Jahrhundertereignis erinnern. Genauso wie die gigantische Statue von Luang Pu Thuat (1582 - 1682), die rechts von uns im Sonnenlicht aufblitzt. Der Bau der Tempel- und Parkanlage zu Ehren des wohl berühmtesten thailändischen Mönches wurde durch den Einbruch der Wassermassen unterbrochen, doch der Anblick der überdimensionalen Statue verschlägt den meisten Passanten dennoch den Atem: Geradezu majestätisch überragt die goldene Luang Pu Thuat-Statue die schlammigen Felder. Mit buddhistischer Ruhe blickt der Mönch in die Ferne.

Vielleicht nehmen einige Reisende etwas mit von der Gelassenheit, die dieser unwirklich-schöne Ort neben der Autobahn ausstrahlt. Und auch vom Pragmatismus der Thais können wir noch einiges Lernen. Statt Panikmacherrei geht es hier vielmehr um das, was getan werden muss damit Ayutthaya und Thailand wieder so schön werden, wie vor der Flut.

Wir jedenfalls halten im Vorbeifahren einen Moment den Atem an, als der Radio DJ wie auf ein geheimes Zeichen Jimmy Cliffs größten Reggae-Hit spielt. Aus den Boxen dröhnt "I can see clearly now, the rain is gone..." und fast hat man das Gefühl als würde Luang Pu Thuat für einen Moment lang lächeln."

23.12.2011 10:00 Von: Rene Springer