Thailands Elefanten - Symbol einer Nation

01.01.2007

Seit unzähligen Generationen ist das Leben der Menschen in Thailand mit dem der Elefanten verwoben. Bis zum heutigen Tag werden diese mächtigen Tiere als ein Glück bringendes Symbol verehrt. Sie sind auch heute noch fester Bestandteil des täglichen Lebens in Thailand.

4000 Jahre Freundschaft


Der asiatische Elefant lebt schon seit mindestens 4.000 Jahren Seite an Seite mit dem Menschen auf dem asiatischen Kontinent. Man glaubt, dass vor so langer Zeit bereits die ersten wilden Elefanten gezähmt wurden und Mensch und Tier lernten, miteinander zu leben.

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich starke Bindungen zwischen den Thais und ihren Elefanten entwickelt. So etwas wie Familienbeziehungen sind entstanden, die auf gegenseitigem Respekt und auf Liebe basieren. Das thailändische Königshaus verehrt diese majestätischen Tiere heute genauso, wie es die großen Könige Siams in der Vergangenheit taten.

Ohne die Hilfe des Elefanten wäre es äußerst beschwerlich gewesen, durch die Wälder und Dschungel Thailands zu reisen. Hier spielte der Elefant eine ähnliche Rolle wie das Pferd in der Geschichte der westlichen Gesellschaften. Daher ist die Beziehung zwischen diesen noblen Kreaturen und dem Menschen vergleichbar mir der von Reiter und Pferd in der Vergangenheit der westlichen Kulturen. Vielleicht ist sie aber sogar noch stärker, was das Engagement, die Verlässlichkeit und das gegenseitigen Vertrauens zwischen diesen beiden Partnern anbetrifft.

Elefanten sind überall im Land zu sehen, lebendige Tiere ebenso wie ihr Abbild in Kunst, Legenden, Literatur, Symbolen, Architektur und Religion. Heute findet man sogar Darstellungen dieses größten Landtieres, die die Eingänge von Unternehmen und Luxushotels bewachen, ein Symbol für Stärke und Großartigkeit.

In der Vergangenheit wurde die königliche Macht in ganz Asien an der Anzahl der auf dem Schlachtfeld verfügbaren Elefanten gemessen. Im 17. Jahrhundert bildeten viele Tausende königliche Thai-Elefanten den Hauptbestandteil der Kriegsmaschinerie Siams.

In Friedenszeiten wurden Elefanten gleichermaßen geliebt. Sie waren nicht nur ein wichtiges Transportmittel, sondern diese intelligenten und klugen Tiere waren daran gewöhnt, Seite an Seite mit dem Menschen zu arbeiten. Elefanten haben darüber hinaus einen wichtigen Platz im Buddhismus als geistige Mentoren für alle Menschen. Sie sind ein wichtiges Element in Zeremonien und werden daher als große Wohltäter der Menschen und des Landes betrachtet.

Anders als sein afrikanischer Verwandter hat sich der asiatische Elefant im Verlauf der Jahrtausende zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft entwickelt, zu einem wesentlichen Teil des sozialen und bürgerlichen Gefüges.

Die ehemalige Fahne des Königreiches Siam und frühe siamesische Münzen waren geschmückt mit dem Abbild des königlichen weißen Elefanten. Bis heute wird der Elefant als ein nationales Symbol des Königreiches von Thailand angesehen und findet sich auf zahlreichen königlichen und nationalen Emblemen, einschließlich des offiziellen Siegels von sieben Provinzen und des Siegels der Stadt Bangkok.

Um diesen äußerst sanften und starken Gefährten zu ehren, wurde der 13. März zum nationalen Tag des thailändischen Elefanten erklärt. Dadurch soll dieses wundervolle Tier unterstützt und ihm Respekt entgegengebracht werden.

Der Stolz des Mahout


Die Bindung des Elefanten an die Gesellschaft wird genährt durch die enge Beziehung zwischen einem individuellen Elefanten und seinem Mahout, wie sein Wärter und Betreuer genannt wird. In der Vergangenheit brachte man einem Mahout Respekt entgegen und er war in der Gesellschaft angesehen. Ein treuer Mahout ist untrennbar mit seinem Schützling verbunden und bildet mit ihm eine fast familiäre Einheit.

Wie in allen ehrenvollen Berufen, die von Generation zu Generation weitergegeben werden, macht ein Junge, der Mahout werden möchte, seine Lehre, genauso wie jeder andere Handwerker, bis er fähig ist, selbst einen Elefanten zu haben. Da Elefanten und Menschen eine ähnliche Lebenserwartung haben, wird der Vater eines für diesen Beruf viel versprechenden Jungen ihm vielleicht einen Babyelefanten kaufen. So können das Kind und der junge Elefant gemeinsam aufwachsen und zu einem Team sowohl bei der Arbeit als auch im Spiel werden.

Im Alter von zwei oder drei Jahren wird das Elefantenkalb von seiner Mutter entwöhnt, damit es lernt mit dem Menschen zu leben. Nach ungefähr einer Woche ist der junge Elefant dann bereit zum Training mit seinem Mahout und zum Erlernen der Grundlagen: knien, schieben, ziehen, sich nach rechts und links bewegen und so weiter.

Das Training sollte ein sanfter und geduldiger Prozess sein und eine emotionale Bindung zwischen zwei lebenslangen Partnern herstellen. Man kann einen wahren Elefanten-Mahout erkennen an der liebevollen Bereitschaft, mit der das Tier seinem Partner erlaubt, auf seinem Rücken zu reiten.

Ein fähiger Mahout muss zahlreiche Fertigkeiten beherrschen, um gut für sein Tier zu sorgen und mit ihm zu kommunizieren. Sehr wichtig ist die Kenntnis der richtigen Ernährung und geeigneter Heilmittel, damit ein gesundes Leben des Schützlings gewährleistet ist.

Mahouts führen ihre Schützlinge mit drei verschiedenen Mitteln: Ohr-, Fuß- und Beindruck, mündliche Befehle und mit einem Ankus oder "Haken", einem Stock, der in einem stumpfen Haken endet. Die Kontrolle ähnelt der, die ein Reiter durch die Sporen über sein Pferd ausübt, und wenn der Haken in der richtigen Weise eingesetzt wird, fügt er dem Elefanten durch seine dicke aber empfindliche Haut keine Schmerzen zu.

Unglücklicherweise hat sich durch die veränderten Verhältnisse der Status der Mahouts verschlechtert und Elefant sind heute weder ein wichtiges Transportmittel noch eine Waffe auf dem Kriegsschauplatz. Diese Aufgaben wurden im letzten Jahrhundert ersetzt durch die anstrengende Arbeit des Holzfällens.

Als dies 1989 verboten wurde, führte das zu einer dramatischen Veränderung der Lebensbedingungen der Teams aus Mahout und ihren Elefanten, denn das Verbot bedeutete den Verlust eines regelmäßigen Einkommens und machte es sehr schwierig, die erforderlichen 250 Kilo Nahrung täglich zu beschaffen.

Diese Notlage führte dazu, dass viele Elefanten ihre Besitzer wechselten und von skrupellosen Menschen gekauft wurden, die den Tieren keinen Respekt und keine Liebe entgegen brachten. Dazu kommt, dass heute viele Söhne von Mahouts diesen Beruf nicht mehr ergreifen möchten. Diese Entwicklung hat den Weg bereitet für einen neuen Typ des Mahout, der nicht den notwendigen Hintergrund und das erforderliche Wissen hat, um seinen Beruf richtig auszuüben.

Der Elefant wurde zu einem Geschäftsgut. Während viele von ihnen Arbeit in der Tourismusbranche fanden, wurden andere gezwungen in den Straßen zu betteln oder illegale Holzfällerarbeiten auszuführen, oftmals sogar unter dem Einsatz von Amphetaminen (eine Aufputschdroge) um den Ertrag zu steigern.

Es gibt heute schätzungsweise 2.250 bis 2.500 domestizierte Elefanten in Thailand, die fast alle in Privatbesitz sind. Fälle von Tierquälerei oder nicht artgerechter Haltung können unter diesem Umständen vorkommen und diesen Fällen muss sachgerecht und je nach den Umständen jedes einzelnen Falles begegnet werden.

Ihre Zukunft in unseren Händen


Man könnte meinen, dass idealer Weise alle Elefanten wieder ausgewildert werden sollten. Aber die Verstädterung und die Entwicklung der ländlichen Gebiete haben weitestgehend den natürlichen Lebensraum des Elefanten zerstört. Die Bevölkerung Thailands ist im vergangenen Jahrhundert um das zehnfache auf 60 Millionen Einwohner gewachsen. Die Wälder Thailands sind bedroht und auf 20 Prozent der Fläche des Landes reduziert worden.

Die aktuelle Population domestizierter Elefanten stammt von Generationen bereits domestizierter Vorfahren ab und somit fehlen ihr die Fähigkeiten, die wilde Tiere besitzen müssen, um in der Natur überleben zu können. Und die heute noch existierende Population wilder Elefanten - es sind ungefähr 1.500 Tiere - lebt weit verstreut in vielen getrennten Nationalparks und Schutzgebieten des Landes.

Glücklicherweise gibt es eine wachsende Anzahl von Organisationen und Einrichtungen zum Schutz und zur Versorgung von Elefanten in Thailand.

Das Thai Elephant Conservation Centre (TECC) wurde 1969 unter der Zuständigkeit der Organisation für Forstwirtschaft gegründet, um zu helfen den thailändischen Elefanten zu schützen. Im Januar 2002 wurde unter der Schirmherrschaft Ihrer Königlichen Hoheit Prinzessin Galyani der Handlungsbereich des TECC erweitert zum National Elephant Institute (NEI). Diese Aufwertung bedeutete eine neue Hoffnung auf einen nachhaltigen Schutz des Elefanten.

Hauptaufgaben und Ziele des NEI sind die Beschäftigung mit den Problemen der Elefanten und die gleichzeitige Erarbeitung von Lösungen sowie die Koordinierung der Bemühungen von Regierung und Privatinitiativen, um die Qualität der Fürsorge für die Elefanten sicherzustellen.

Da die Elefanten heute meist im Tourismusbereich arbeiten, ist das NEI verantwortlich für die Durchsetzung von Standards in der Pflege domestizierter Elefanten und die Förderung von Qualitätstourismus. Erreicht werden soll dies über eine qualifizierte Ausbildung des Personals und über die Verbesserung der Voraussetzungen in den Elefantencamps. Dabei ist die Erziehung der Mahouts von zentraler Bedeutung für die artgerechte Pflege der Elefanten und das NEI erteilt jetzt sowohl Thais als auch Ausländern Unterricht in der artgerechten modernen Elefantenversorgung.

Qualifizierte Thai Mahouts genügen in jeder Beziehung den weltweit geltenden Standards für Elefantenwärter. Sie sorgen nicht nur während ihrer Arbeitszeit für ihre Tiere, sondern den ganzen Tag lang.

Kranke, verletzte, misshandelte Tiere und solche, die in einer anderen Weise Hilfe brauchen, können der "Elephant Distress Hotline" des "Treasure Our Elephants Fonds" gemeldet werden. Die Mitarbeiter dieser Organisation werden versuchen zu helfen. Der Fond unterhält auch ein "Habitat Recovery Programm", um Waldgebiete zurückzukaufen und sie als natürlichen Lebensraum für die Elefanten wiederherzustellen.

Trotzdem gibt es noch viel zu tun und es ist noch viel Geld nötig, nicht nur um die Versorgung individueller mißbrauchter domestizierter Elefanten zu garantieren, sondern auch, um die Vermehrung der bedrohten Tierart zu gewährleisten, deren Anzahl sich Jahr für Jahr um 5 bis 10 Prozent verringert.

Die Sache der Elefanten erhält auch weltweite Anerkennung durch die kreativen Arbeiten mancher Talente unter den Dickhäutern. Elefanten, die für "künstlerischem Darstellungen" begabt sind, wie Malen oder Musik, helfen mit, ihre täglichen Bananen zu verdienen und sehen, dass ihre Talente belohnt werden, indem sie ein Einkommen erzielen, das zur Deckung ihrer Lebenshaltungskosten beiträgt.

Nebenprodukte der Elefanten gewinnen außerdem an Beliebtheit. Jeder Elefant produziert täglich sehr viele Kilos eines faserigen Dungs, der ideal für die Papierherstellung geeignet ist. Dies ist sogar ein wirtschaftlich rentables Unternehmen. (www.elephantdungpaper.com)

Ereignisse, die Einkommen für die Elefanten und ihre Hüter erwirtschaften sind ferner das jährliche Lampang Sa-Toke Bankett, die Elefantenparaden in Surin und in Ayutthaya und das Elefanten Polo Spiel, das im vergangenen Jahr eine Million Baht für das NEI eingebracht hat.

Auch andere Projekte benutzen die traditionelle Arbeitweise der Elefanten, um modernere Ziele zu erreichen. In sehr abgelegenen Berggebieten Thailands, wo nicht einmal Pferde oder Maultiere sich fortbewegen können, transportieren Elefanten heute Lehrer und Bücher, sie bringen Satellitenschüsseln zu isolierten Berggemeinden, die sonst keinen Zugang zur Bildung hätten. Auch in den Ressorts der Nationalparks werden heute Elefanten beschäftigt, um die Parkwächter bei der Kontrolle der Schutzgebiete und dem Kampf gegen Wilderer und illegale Holzfäller zu unterstützen.

Derzeit bereitet die königliche thailändische Regierung ein Gesetz vor, um die Elefanten offiziell als nationales Symbol einzusetzen und sie zu schützen. Dazu gehört die Kontrolle der Mahouts und der Besitzer von Elefanten, um so das Wohlergehen jedes Tieres zu sichern. Herumstreunende Elefanten sollen in die Obhut von Elefanten-Zentren gegeben werden. Sollten sich einzelne Besitzer der Zusammenarbeit verweigern, würden die Elefanten konfisziert und unter den Schutz des Staates gestellt.

Der asiatische Elefant gehört zu den bedrohten Arten, die unsere Hilfe und Unterstützung in Form von Programmen zur Wiederansiedlung benötigen, nicht nur heute sondern auch in der Zukunft. Jetzt liegt es in der Verantwortung des Menschen, diese seit alten Zeiten verehrten Gefährten mit dem nötigen Respekt und Verständnis zu schützen. Wir müssen für ihr Wohlergehen in Bezug auf Gesundheit, Training und ihre Arbeit für den Menschen sorgen, so wie wir es für jedes wertvolle Mitglied der Gesellschaft tun.

Wir bedanken uns insbesondere bei Khun Wipa Aiyakaew, Leiter der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Organisation für Forstwirtschaft und bei Herrn Richard Lair, Berater und Verantwortlicher für auswärtige Angelegenheiten des Nationalen Elefanteninstituts.

© Die Fotos wurden freundlicherweise vom Nationalen Elefanteninstitut zur Verfügung gestellt.

Kontaktinformation:

Foundation for the Conservation of Northern Elephants
Tel.: +66 (0) 2252-0141
Fax.: +66 (0) 1 252-0142
E-Mail: Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mailpegpe@mozart.inet.co.th

 


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