Kunst & Kultur
Archäologische Fundstätten
Thailands ereignisreiche Vergangenheit läßt sich an vielen verschiedenen historischen Fundstätten in fast jedem Teil des Landes ablesen. Es gibt soviel zu sehen, daß archäologisch interessierte Besucher diese nur in mehreren Reiserouten abdecken könnten. Die meisten Stätten haben ein Museum, in dem die vor Ort freigelegten Funde ausgestellt werden.
Eine der ältesten Fundstätten ist Ban Chiang in der nordöstlichen Provinz Udon Thani. Hier entstand und florierte bereits um 3000 vor Christus eine mysteriöse Kultur, die in den ersten Jahrhunderten christlicher Zeitrechnung unterging. Bei Ausgrabungen unter der Leitung des Fine Arts Departments wurden Spuren von Ackerbau gefunden, die bis 4000 vor Christus zurückdatieren, sowie prächtig bemalte Keramik, und - was viele Experten glauben - die erste Bronze der Menschheit. Eine Grube in Ban Chiang wurde für die Besucher offengelassen, die Gegenstände liegen so, wie man sie vorfand.
Im Nordosten gibt es auch einige Ruinen von Khmer-Tempeln, die archäologisch hochinteressant sind. Prasat Phanom Rung, ein historischer Park in Buri Ram und Prasat Hin Phimai in Nakhon Ratchasima (Khorat) sind die bekanntesten. Diese Ruinen waren Außenposten des Angkor-Reiches im 11ten und 12ten Jahrhundert.
Ein Abstecher nach Sukhothai lohnt sich: hier, in der nördlichen Mitte des Landes, liegen die Ruinen der ersten unabhängigen Hauptstadt Thailands, die im frühen 13ten Jahrhundert gegründet wurde. Sowohl Sukhothai als auch die Satellitenstadt Si Satchanalai, ungefähr 38 km entfernt, sind historische Parks. An den beeindruckenden Ruinen von Tempeln erkennt man den sich damals entwickelnden thailändischen Stil in Kunst und Architektur.
Ayutthaya, der Regierungssitz des Königreiches von mehr als 400 Jahren, ist ein weiterer historischer Park und befindet sich in der Zentralregion am Chao Phraya Fluß. Von Bangkok aus ist es eine kurze Fahrt auf der Straße oder dem Fluß. Auch hier befinden sich weit verstreut auf großem Areal Ruinen von Tempeln und Palästen. Es würde einige Tage dauern, um alles im Detail gesehen zu haben. Nicht weit davon liegt Lop Buri, ehemals eine Khmerstadt, aber später die Sommerresidenz der Herrscher von Ayutthaya, wo einige Ruinen bereits frühe europäische Einflüsse erkennen lassen.
Nordthailand wurde lange von einer ganzen Reihe von Fürstentümern regiert, und auch hier gibt es interessante historische Stätten, besonders in Chiang Saen am Mekong Fluß, wo eine Reihe von Bauwerken noch vor der Sukhothai-Zeit entstanden sind. In Lampang befinden sich mehrere alte Tempel in verschiedenen Stilrichtungen und in Nan gibt es einige religiöse Bauten, die um das 15te Jahrhundert erbaut wurden.
Südlich von Bangkok, ungefähr zwei Autostunden entfernt, liegt die Stadt Phetchaburi. Hier finden sich Thai- und auch Khmer-Ruinen, sowie verschiedene spektakuläre Höhlen, die einige der ältesten erhaltengebliebenen thailändischen Wandgemälde aufweisen. Wat Kamphaeng Lang ist auch ein gut erhaltener Khmer-Tempel.
Ban Chiang, Ayutthaya und Sukhothai wurden von der UNESCO zu Stätten des historischen Welterbes deklariert.
Ausgewählte Provinzmuseen:
- Chao Sam Phraya National Museum, Amphoe Muang, Ayutthaya , Tel: (035) 241587
- Ramkhamhaeng National Museum, Sukhothai Historical Park, Amphoe Muang, Sukhothai, Tel: (055) 612167
- Khon Kaen National Museum, Amphoe Muang, Khon Kaen, Tel: (043) 236741
- Phimai National Museum, Amphoe Phimai, Nakhon Ratchasima, Tel: (044) 471167
- Songkhla National Museum, Wat Machimawat, Amphoe Muang, Songkhla, Tel : (074) 311728
- Chiang Saen National Museum, Amphoe Chiang Saen, Chiang Rai , Tel(053) 777032
- Ayutthaya History Study Centre, Amphoe Phra Nakhon Si Ayutthaya, Tel: (035) 251586
- Ubon Ratchathani National Museum, Amphoe Mung, Ubon Ratchathani, Tel: (044) 245071
Kunst und Architektur
Die klassische thailändische Kunst und Architektur hinterläßt wohl bei jedermann einen besonderen Eindruck. Ursprünglich zeigten sich Einflüsse der Kulturen Indiens, Chinas und Sri Lankas, die sich aber im Laufe von sieben Jahrhunderten zu etwas ganz und gar Thailändischem herausgebildet hat.
Die thailändische Kunst und Architektur diente zunächst vorwiegend religiösen Zwecken, und die größten Kunstwerke sind noch heute die zahlreichen Tempel und Klöster. Die historische Hauptstadt Sukhothai war Ausgangspunkt für diese Kunstform, hier entwickelte sich der Stil, der so typisch thailändisch ist - die graziösen, lotusknospenförmigen Spitzen, die man noch heute an den Ruinen vieler Tempel dieser Stadt sehen kann. Für Ayutthaya, das das Königreich 400 Jahre lang regierte, sind wesentlich aufwendiger geschmückte Tempel charakteristisch, dessen Stil sich bis in die heutige Zeit des Rattanakosin, bzw. der Bangkok-Periode erhalten hat. Besonders deutlich wird dieser Stil an der prunkvollen Bauweise des Großen Palastes und des Tempels des Smaragdenen Buddhas.
Die klassischen Dekorationen bestehen u.a. aus herrlich geschnitzten Holzpaneelen, die als Schmuck für Giebel, Türen und Fenster dienen, und oft noch Intarsien aus Perlmutt aufweisen. Man sieht auch häufig Glasmosaik und Stuck, welches zusammen mit farbigen Porzellanstückchen angeordnet ist. In vielen Tempeln sind die Innenfassaden von herrlichen Wandgemälden bedeckt, die das Leben Buddhas darstellen, oder Geschichten und Gleichnisse aus der buddhistischen Mythologie, die in den Predigten aufgegriffen werden.
Auch die religiöse Bildhauerei hat ein beeindruckendes Niveau der thailändischen Kunst erreicht. Die Sukhothai-Buddhastatuen, die soviel Kraft und dabei fließende Grazie ausstrahlen, werden von Gelehrten bewundert. Aber auch die Bronze- und Steinkreationen Ayutthayas, die oft eine überwältigende Größe haben, rufen Respekt und Bewunderung hervor. Das Angkor-Reich, welches sich bis ins heutige Thailand ausgedehnt hatte, hinterließ Khmer-Tempel und Skulpturen von größter Bedeutung.
Zusätzlich zu diesen Monumenten des Glaubens kann man das thailändisch kreative Genie in vielen anderen Formen finden. Das traditionelle thailändische Wohnhaus, obwohl normalerweise ein einfaches Fertighaus, ist von bemerkenswerter Eleganz mit seinen leicht schrägen Wänden, steilen Dächern und graziös geschwungenen Dachenden. Thailändische Kunsthandwerker der Sukhothai-Periode fertigten herrliche glasierte Keramik an, die in die ganze Region exportiert wurde und heute bei Sammlern hochgeschätzt ist. Auch viele Dinge des täglichen Gebrauchs - von Wasserbehältern und Körben bis zu Spinnrädern und Textilien - zeichnen sich durch wunderschönes Design aus, das sie eigentlich in die Kategorie der Kunst erhebt.
Hier können Sie thailändische Kunst und Architektur erleben:
- National Museum, Na Phra That Rd., Tel: (02) 2241333, 2241396
- Wat Suthat, Bamrung Muang Rd., Bangkok.
- Wat Pho, Sanamchai Rd., Tel: (02) 2220933
- The Royal Barge National Museum, Khlong Bangkok Noi, Arun Amarin Rd., Tel: (02) 4240004
- Suan Pakkard Palace, Si Ayutthaya Rd., Tel: (02) 2454934
- Jim Thomson´s Thai House, Rama Rd., Tel: (02) 2150122
- Ban Kamthieng (Siam Society) , 131 Soi Asoke (Sukhumvit 21), Tel: (02) 2583491
- Prasart Museum, 9 Soi Krungthep Kritha 4, Si Nakharin Rd., Phra Khanong, Tel: (02) 3746384
Traditionelle darstellende Künste
Die bekannteste Kunstform dieser Art ist das Tanzdrama, genannt Khon, bei dem die Darsteller Masken tragen. Im historischen Ayutthaya, aber auch im frühen Bangkok wurden die Khon-Vorstellungen ausschließlich am königlichen Hof aufgeführt und dauerten jeweils mehrere Nächte hindurch.
Die Geschichten des Khon stammen aus dem Ramakien, der thailändischen Version des Ramayana-Epos aus Indien. In diesem Epos, das in lyrischen Versen vorgetragen wird, geht es um den Triumph des Guten gegen das Böse. Der Held ist Phra Ram, dessen Partnerin Nang Sida vom bösen König Thotsakan von Longka entführt wird. Das langandauernde Drama schildert die letztendlich siegreich verlaufende Rettungsaktion durch Phra Ram, dessen Bruder Phra Lak und dem Affenführer Hanuman. Alle Tänzer tragen reichverzierte, mit Gold und Edelsteinen besetzte Kostüme, und einige tragen herrliche Masken aus Pappmaché, um den darzustellenden Charakter zu verdeutlichen. Die Geschichte wird in stilisierten Bewegungen, Gesten und Posen dargestellt, die teilweise so schwierig und anstrengend sind, daß die Tänzer in früheren Zeiten ausschließlich Männer waren.
Heutzutage werden nur noch Auszüge des Khons gezeigt, das sowohl von Männern als auch von Frauen aufgeführt wird. Diese Vorführungen finden im National Theater statt, aber auch zunehmend in touristischen Restaurants.
Lakhon und Likay sind beliebte Untergruppen des Khon. Beim Lakhon sind die Kostüme ähnlich prächtig, aber Masken werden keine eingesetzt. Hier wird die Geschichte hauptsächlich von Frauen getanzt. Das Lakhon Chatri, eine Unterform des Lakhon, sieht man regelmäßig an Schreinen, wo gemietete Tanztruppen auftreten. Das Likay ist eine Mischung aus Volkstheater, Satire und Komödie. Diese Form der Unterhaltung sieht man vorwiegend auf Volks- und Tempelfesten.
Auch das Schattenspiel ist eine Form des Theaters, die aber immer seltener wird, und fast nur noch in Südthailand populär ist. Die beliebteste Version, die hauptsächlich zu Festlichkeiten in Südthailand aufgeführt wird, nennt sich Nang Talung. Die Figuren sind aus Rinderleder gefertigt und haben bewegliche Glieder. Die Schattenfiguren werden zu Gesang und komischen Dialogen bewegt.
Alle Formen des Theaters in Thailand sowie auch das Thai-Boxen wird von Musik begleitet, normalerweise durch ein traditionelles Orchester. Die eingesetzten Musikinstrumente sind hier Trommeln, Zimbeln (kleine Becken), Xylophone, Flöten und ein Instrument mit 3 Saiten, das Sam Sai heißt und durchdringende Melodien von sich gibt.
Unten aufgelistet finden Sie Orte, wo regelmäßig oder gelegentlich traditionelles Thai-Theater aufgeführt wird. Am besten erkundigen Sie sich vorher, wie das Programm aussieht.
Hier wird klassischer Thai-Tanz aufgeführt:
- The National Theatre, in der Nähe des National Museums, Na Phra That Rd., Tel.(02) 2210173
- Thailand Cultural Centre, Ratchadaphisek Rd., Haui Khwang, Tel: (02) 2470028
- Baan Thai Restaurant 7 Sukhumvit Soi 32, Tel: (02) 2585403, 2589517
- Maneeya´s Lotus Room, Phloen Chit Road, Tel : (02) 2526312, 2510382
- Chao Phraya Restaurant, Pin Klao Bridge, Arun Amarin Rd., Tel: (02) 4742389, 4341160-7
- Piman Restaurant, 46 Sukhumvit Soi 49, Tel: (02) 2587866, 2587861
- Ruen Thep, Silom Village Trade Centre, Tel: (02) 2339447, 2344448
- Suwannahong Restaurant, Si Ayutthaya Rd., Tel: (02) 2454448, 2453747
- Tum-Nak-Thai Restaurant, 131 Ratchadapisek Rd. Tel: (02) 2746420-22
- Chalerm Krung Royal Theatre, New Road. Tel: (02) 2221352, 2221753 Fax: (02) 22121631
- Oriental Rim Nam, Gegenüber dem Oriental Hotel, Charoen Nakhon Road, Tel: (02) 4376221, 4373080
- Cosmo, 5/1 Sukhumvit Soi 63, Tel: (02) 3918885
- Sala Sabai, Royal Orchid Sheraton Hotel, Tel: (02) 2660123
- Sawasdee, 66 Soi Phiphat, Sathon Rd., Tel: (02) 2376310, 2376311
- Sala Thai , Indra Regent Hotel, Tel: (02) 2080033, 2080022
Blumenstecken
Niemand kann sich in Thailand aufhalten, ohne nicht irgendwann einmal die vergängliche, aber exquisite Kunst des Blumensteckens zu bemerken. Die duftenden Blüten werden zu Girlanden verarbeitet und als Willkommensgruß überreicht, oder sie werden zu komplexeren Gebilden, die dann als Tischdekoration oder religiöse Gabe verwendet werden.
Der Begriff "Blumenstecken" könnte bei einem Westeuropäer falsche Assoziationen hervorrufen, denkt man doch unwillkürlich an das lockere Arrangieren von Blumen zu hübschen, natürlich aussehenden Sträußen. Das Ziel des Blumensteckens in Thailand ist es vielmehr, aus den Blüten ein ganz neues Kunstwerk zu erschaffen. Die Blüte dient hier eher als Material, woraus der Künstler ganz eigene, künstliche Kreationen erschafft, die man grob in drei Kategorien unterteilen kann: zum einen die Kränze und Girlanden aus Jasmin-Rosen- und anderen duftenden Blüten (man nennt sie " ma lei"), die vor jedem Tempel verkauft werden. Die zweite Gruppe ist die "chat phan" wo ein ganzes Kunstwerk auf einer Schale liegt. Hier wird eine Form, die einer Lotusknospe ähnelt, aus feuchtem Sand oder Lehm mit Blüten besteckt.
Es entstehen dabei oft Kunstwerke mit herrlichen geometrischen Mustern, die man fast für kostbares Porzellan halten könnte. Bei der dritten Form der Blumensteckkunst werden geschickt gefaltete Kreationen aus Bananenblättern verwendet, in die man einige Gegenstände legt, die dann mit Blüten ausgeschmückt werden. Diese "bai si" verwendet man bei traditionellen Zeremonien und man findet sie im ganzen Land, jeweils in verschiedenen Formen. Eine Sorte, die "bai si pak cham" besteht aus einem zylinderförmigen Bananenblatt im Zentrum der Kreation, das mit gekochtem Reis gefüllt wird, drumherum werden hartgekochte Eier angeordnet, die manchmal mit einer Jasminkrone geschmückt sind, und das Ganze wird noch von weiteren spitz zulaufenden Kegeln (die wie stilisierte Lotusknospen aussehen) umgeben, die mit verschiedenen Blüten geschmückt sind. Diese so geschmückten Schalen sind Opfergaben, die man in die Geisterhäuschen stellt, aber auch symbolische Respektsbezeugungen, die ein Schüler seinem Lehrer überreicht.
Diese herrlichen Kreationen, die vom Künstler Geschicklichkeit und einen Sinn für Ästhetik verlangen, sind integraler Bestandteil der thailändischen Kultur, der heute noch so lebendig ist wie durch die gesamte Geschichte des Königreiches hindurch.



